Nachhaltiges Bauen - keine einheitliche Idee   

Das sich langsam entwickelnde Bewusstsein für die Wachstumsgrenzen und Kollateralschäden westlicher Industriegesellschaften, wie Umweltschäden oder die soziale Ungleichheit durch unzureichende Produktionsverhältnisse, förderte in den 1970er-Jahren ein langsames Umdenken in Architektur und Design. Im Gegensatz zu den USA konzentrierte man sich im kontinentaleuropäischen Raum jedoch auf die theoretische Debatte und überliess die praktische Umsetzung einigen wenigen hochmotivierten Wegbereitern und Neudenkern. Man muss es so festhalten: Bis zum Ende der 1990er-Jahre war Nachhaltiges Bauen das Spielfeld von Einzelkämpfern und Aussenseitern, was im Rückblick zu einer zersplitterten und schwach institutionalisierten Gemeinschaft mit unterschiedlichen Ansätzen führte. Ganz deutlich zeigt sich diese Heterogenität auch in den aktuellen Timelines zum Nachhaltigen Bauen. Zwar können sich die meisten Autoren, wie Asoja (2023), Attia (2017), Baweja (2018), Daugelaite/Grazuleviciute-Vileniske (2022), Tabb/Deviren (2013) oder Wines (2000), auf zentrale Akteure und Strategien einigen – der wissenschaftliche Aushandlungsprozess und das Schreiben einer grundlegenden «Geschichte», auf Basis klarer Definitionen und Begrifflichkeiten, stehen bis heute noch aus.

Nachfolgende Abbildung: Timeline zur Sustainable Architecture, in: Attia (2017).